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Naturöl tut Mensch und Holz gut: Hartöl richtig anwenden

Beim Arbeiten mit Naturölen sollte man einige grundsätzliche Hinweise beachten.

Beim Arbeiten mit Naturölen sollte man einige grundsätzliche Hinweise beachten.

Es ist keine Überraschung, dass Leinöl bereits seit Jahrhunderten ein weit verbreitetes und bekanntes Mittel zur Holzbehandlung ist. Und da Bio mehr und mehr gefragt ist, kann es inzwischen oft chemische Zusätze von Farben und Konservierungsmitteln ersetzen oder sogar die Qualität von Anstrichen verbessern. Wir erklären Ihnen, worauf es bei der Anwendung von Hartölen ankommt.

Auch Distel oder Rizinus vom „Wunderbaum“

Die Spreewaldbauern sitzen an der Quelle – der Ölquelle. Kaltgepresstes oder auch raffiniertes Leinöl hat eine hell- bis goldgelbe Farbe. Aber nicht nur als Zutat für die Küche ist das Pflanzenöl geeignet. Unsere Großeltern haben damit noch oft die Möbel gepflegt. Sogar hartnäckige Wasserflecken haben sie mit ausdauernder Leinöl-Anwendung aus dem Holz der Wohnzimmerkommode herausbekommen. Heute sind die natürlichen Materialien wieder gefragt.

Auch andere Pflanzenöle lassen sich mit oder neben Leinöl kombinieren, um gute Eigenschaften zur Holzbehandlung oder als Anstrich zu erhalten. Pflanzliches Tungöl aus Asien gehört dazu. Aber auch Safloröl, das aus Färberdisteln gewonnen wird, oder Rizinenöl vom tropischen „Wunderbaum“ werden zum Anrühren von Farben verwendet. Ein Vorteil der Naturöle: Es kommen kaum Lösemittel zur Anwendung. So muss sich auch niemand Sorgen um flüchtige organische Verbindungen (VOC) machen, die später Wohnräume vergiften. Als Leinölfirnis wird es zusätzlich mit Trockenstoffen versetzt, um als klarer Schutzanstrich Verwendung zu finden. Oder es werden Farbpigmente zugesetzt, die möglichst intensiv mit dem Öl verrieben sein müssen. Nur so gibt es einen deckenden und konzentrierten Farbauftrag.

Natur-Hartöle einfach und zeitsparend verarbeiten

Wie lassen sich nun Farben aus Natur-Hartölen am besten verarbeiten? Aufgetragen werden sie mit Pinsel oder Flächenstreicher. Sind große Flächen vom Profi zu behandeln, kann sich auch ein Spritzverfahren als günstig erweisen. Dabei wird aber mehr Farbe verbraucht als im „Handbetrieb“. Bereits nach wenigen Minuten zieht das Öl in den Untergrund ein. Überschüssige Farbe sollte nun abgenommen oder verteilt werden, damit keine Pfützen, ungleichmäßige Glanzstellen oder andere Unschönheiten entstehen. Die Menge, die aufgetragen werden muss, richtet sich auch nach der Holzart und seiner Saugfähigkeit. Eiche oder Kiefer – das ist die Frage.

Die Kunst der Wiederholung

Um eine seidig glänzende Oberfläche, beispielsweise auf einer Arbeitsplatte, zu erzielen, sind Schleifen und mehrmaliges Auftragen der Farbe angebracht. Bei einer zweiten und jeder weiteren Schicht wird ebenso verfahren wie beim ersten Anstrich. Es sollte aber weniger Farbe nötig sein. Ein Zwischenschliff kann die Qualität der Oberfläche noch erhöhen und verbessert die Aufnahme mehrerer Anstriche. Die meisten natürlichen Ölfarben sind nach fünf bis acht Stunden trocken und bereit zur Weiterbearbeitung. Bei sehr saugfähigem Holz und dick aufgetragener Farbe kann es aber auch zwölf bis 24 Stunden dauern, bis der Anstrich durchgetrocknet ist. Sind große Flächen zu streichen, sollten Sie die Zeit daher so planen, dass innerhalb von 15 Minuten überschüssiges Öl abgewischt oder verrieben werden kann. Sonst trocknet die Farbe bereits an und die Nacharbeit könnte mühsam werden.

Tipps für die richtige Verarbeitung

Auch wenn natürliche Ölfarben viele gute Eigenschaften haben und sich leicht verarbeiten lassen, sollten ein paar Dinge beachtet werden:

– Stapeln sollte man mit Naturölfarben behandelte Hölzer frühestens nach drei Tagen.

– Es kann nie schaden, an einer „unsichtbaren“ Stelle Farbe, Saugfähigkeit des Untergrunds und Trocknung auszuprobieren.

– Um eine Hautbildung in einer angebrochenen Dose zu vermeiden, die Dose gut verschließen und auf den Kopf stellen. Farbreste können auch in kleinere, aber immer luftdichte Gefäße umgefüllt werden.

– Sollte sich eine Haut gebildet haben, wäre es falsch, sie unterzurühren. Besser ist es, sie vorsichtig abzunehmen. Sollten trotzdem Hautreste oder Krümel im Farbtopf sein, dann empfiehlt es sich zu filtern. Ganz einfach geht das mit einem ausgedienten Damenstrumpf.

– Eigentlich ist der Pinsel bei wasserbasierten Naturöl-Farben einfach mit Wasser und Seife zu reinigen. Doch es gibt auch spezielle Verdünnungen oder Pinselreiniger, um selbst angetrocknete Farbe wieder loszuwerden.

Mit Frischluft einfach Gerüche vertreiben

Noch ein Tipp zur Sicherheit und zum Brandschutz: Die pflanzlichen Öle könnten sich in verschmutzten und zusammengeknüllten Putzlappen zusammen mit Schleifstaub entzünden. Darum schmutzige Farblappen ausgebreitet trocknen lassen oder sogar intensiv anfeuchten. Leinöl, andere pflanzliche Öle sowie Harz verleihen Naturfarben einen speziellen Geruch. Darum sollte bei der Verarbeitung und während der Trocknung für ausreichend Frischluft gesorgt werden. Andererseits führen Kälte, hohe Luftfeuchtigkeit und geringe Luftzirkulation zu einem längeren Trockenprozess und möglicherweise auch zu stärkerer Geruchsbildung.

Beim Arbeiten mit Naturölen sollte man einige grundsätzliche Hinweise beachten.